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Kirche St. Lukas in Jerstedt

Die St. Lukas Kirche blickt auf über 1000 Jahre Geschichte zurück, denn sie wird bereits in der Xantener Urkunde von 1047 erwähnt und ist damit das älteste Gebäude im Dorf. Möglicherweise stand auf dem Kirchhügel, der mitsamt dem großen Hofe (heute Nr. 56) noch zur Honwarde rechnete, schon lange vor dem Bau der Kirche eine einfache Kapelle, aufgebaut aus Tannenstämmen vom Lütjenberge. Die Honwarde mag der älteste Dorfteil Jerstedts sein. Erst als weitere Einzelsiedlungen an der Honwarde enstanden, erhielt die neue Siedlung rund um die Kapelle den Namen Jerstedt.
Pastor Dr. Kronenberg, früher in Jerstedt, schreibt: ,,Ich würde meinen, daß Jerstedts Kirche eine Gründung der ludolfingischen Zeit ist, die lange vor Neuwerk und Riechenberg entstanden ist. Darauf deutet vor allem die reiche Ausstattung mit Land hin, die der Pfarre zuteil wurde".
Da die ursprüngliche Dorfsiedlung auf der Honwarde entstanden war, wurde an dieser Stelle auch zuerst eine Kapelle und später die Kirche errichtet. Man war hier vor Hochwasser geschützt, das der Bach gelegentlich führte und dem fruchtbarsten Teil der Feldmark mit seinem Lößboden war man hier am nächsten.
Am Leichenhause finden sich rund um die Steinmetzzeichen im weichen Sand-
stein Fugen, die darauf hinweisen, wie man auch in Jerstedt Sand aus dem Sandstein der geweihten Kirche heraus schliff, weil man ihm Heilkraft zuschrieb.
Die Einführung der Reformation erfolgte in Hahndorf am 5. Januar und in Jerstedt
am 7. Januar 1545.
Den Altar schnitzte der Osteröder H. A. Gröber im Jahr 1664, er wurde 1707 eingebaut. In Überlieferungen heißt es auch, dass der Goslarer Bildschnitzer Lesse ihn geschaffen hat. Möglich, dass beide an den Arbeiten beteiligt waren. Der Altartisch ist gemauert, die Rückwand reich geschnitzt. Die Abendmahlsdarstellung trägt das Wappen derer von Uslar und das des Andreas Fischer, der 1646 und 1650 das Untergericht in Jerstedt inne hatte. Der Altar könnte eine Stiftung dieser Familie sein.
Bemerkenswert ist der vergoldete, aus Kupfer bestehende Abendmahlskelch mit silbernem Schaft, der schon 600 Jahre der Gemeinde dient. Ein neuerer aus reinem Silber ist ein Geschenk des Pastors Joh. Ludwig Moritz Hasenbalg; er trägt die Inschrift: "Jerstedt. J.L.M.Hasenbalg. 1801." Eine Oblatendose von 1695 enthält eine Widmung und einen Bibelspruch.
Weiterhin zu erwähnen sind die Stifterscheiben, die bis ins Jahr 1704 zurückgehen. Das hölzerne Tonnengewölbe ist bunt bemalt: 52 Engel, für jede Woche des Jahres einer, singen Gott einen Lobgesang. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1860 und wurde in der Werkstatt Engelhardt erbaut.

M.A.

Aus der Geschichte der

St. Lukas-Kirche zu Jerstedt

 

1047 wird Jerstedt das erste Mal in der Xantener Urkunde erwähnt. Kaiser Heinrich III schenkte dem Domstift in Goslar ein Gut in Gerstiti. Die Kirche soll nach. Überlieferung vom Kloster Riechenberg gegründet worden sein, das bis 1803 das Patronat innehatte.

 

1152 hat in Jerstedt schon eine Kapelle mit einem Glockenturm gestanden. Dieses hat man einem Pergament entnommen, das im Kirchturmknauf aufbewahrt wurde.

 

Baustil

Deutlich ist sichtbar, dass die Kirche aus drei Anbauten besteht. Der ältere Teil der Kirche ist romanisch und umfasst das Kirchenschiff zwischen Westturm und dem östlichen gotischen Erweiterungsbau.

 

1506 ist der gotische Erweiterungsbau nach Osten entstanden. Siehe Inschrift über der Tür im Ostgiebel -MDVI-. Zur gleichen Zeit entstand die Vorhalle an der Südseite der Kirche, das so genannte Leichenhaus. Unter diesem Anbau befanden sich die Grabgewölbe des Pastoren Maertens und seiner Familie, sowie die der Herren von Brabeck, welche Gerichtsherren in Jerstedt waren.

 

1621 wurde mit dem Neubau des Kirchturmes begonnen, laut Inschrift auf der Südseite des Turmes. In der Westseite ist die Zahl 1697 eingemeißelt. Vermutlich ist der Turm erst in diesem Jahr fertig erstellt worden, denn der 3ojährige Krieg hatte inzwischen unser Land heimgesucht.

 

1748 bekam Jerstedts Kirche eine neue Glocke, dazu wurde die alte Glocke aus dem Jahre 1152 eingeschmolzen

 

1953 wurden auf die Namen Martha-Diakonie, und Maria-Liturgie, Zwei weiter Glocken geweiht. Sie sind in GIS und H abgestimmt.

1979 Da die Glocken heute mechanisch geläutet werden, wurde es erforderlich, das Mauerwerk zu stabilisieren. Die Außenwände waren ursprünglich verputzt. Sie sind im laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse freigelegt und sollen im Zuge weiterer Renovierungsarbeiten in den alten Zustand versetzt werden. Der Turm ist bereits fertig gestellt.

 

Innere der Kirche

1545 wurde in Jerstedt am 7. Januar die Reformation durchgeführt.

 

1664 stifteten der Obergerichtsherr Andreas Fischer und seine Frau Anna von Uslar die Altarwand mit Kanzel und ließen rechts und links ihre Wappen einschnitzen. Der 2l jährige Bildhauer Hans Andreas Gröber aus Osterode hat dieses Meisterwerk: hergestellt.

 

1704 hat der damalige Pastor Maertens das Innere der Kirche umbauen lassen. über dem Altartisch ist die Abendmahlsgruppe zu sehen. Darüber befinden sich die vier Apostel Mathäus, Markus, Lucas und Johannes. In der Mitte ist Christus als Erlöser und Heiland dargestellt, - „Salvator Mundi“. Rechts neben dem Altar ist eine spätgotische Nische zu sehen, ein Wandtabernakel. Es diente in der katholischen Zeit zur Aufbewahrung des Allerheiligsten. Nach der Reformation wurde die Tür mit einem Schlitz versehen, und der Sakramentenschrank diente als Opferstock. Die lateinische Inschrift darüber lautet: „Hier bete ich zu Gott.“

Die mit Weinreben geschmückten korinthischen Säulen sollen aus der ehemaligen Riechenberger Kirche stammen, Sie symbolisieren, „Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben“.

 

Den Messingleuchter stiftete um 1710 die Schwester von Frau Pastor Maerten, Anna Hedwig Busch, der Kirche.

Die Decke ist eine gebogene Bretterdecke mit Bemalung. Auf Wolken schwebende Engel halten auf nummerierten Spruchbändern die Verse 

des ambrosianischen Lobgesanges von Martin Luther. „Herr Gott dich loben wir...“

 

Die Emporen wurden um 1710 eingebaut.

 

Aus den Jahren von 1704-1712 stammen die Reste der bemalten Glasscheiben. Sie wurden von Pastor Maertens und seiner Familie, sowie von den Besitzern der Jerstedter Höfe, und des Handwerks gestiftet.

 

1691 Bis zu dieser Zeit wurden in der Kirche die Persönlichkeiten des Ortes beigesetzt. Eine Steintafel an der Empore rechts weist zum Beispiel auf die Beisetzung des Obergerichtsherrn Rading hin. In späteren Zeiten wurden diese Bestattungen in dem so genannten Leichenhaus vorgenommen.

 

1859 wurde von dem Orgelbauer Engelhardt aus Herzberg am Harz eine einmanualige Schleifladenorgel, mit 12 Registern, eingebaut.

 

1949 ließ Pastor Dr. Kronenberg, von 1949-1954 Pfarrer in Jerstedt, einen Opferstock im Vorraum der Kirche aufstellen. Diese Säule aus dem 19.Jahrhundert, stammt vom Portal des im 2. Weltkrieg zerstörten Braunschweiger Bahnhofes.

 

1979 ist die Orgel gereinigt- und neu gestimmt.

 

1980 wurde der Kirchturm stabilisiert und ein Stahlgestell für die Glocken eingebaut.

 

1986-1987 ist die Kirche von Grund auf restauriert worden.

 

(von Karl-Alfred Werner / 24. Februar 2013)